Ein Möbeltest misst, was das Auge nicht sieht
Beim Einkauf lässt sich in wenigen Minuten kaum beurteilen, ob eine Matratze nach acht Jahren noch trägt oder ein Bürostuhl täglicher Nutzung standhält. Genau hier setzt der Möbeltest an. Er ersetzt das Gefühl durch messbare Werte.
Ein anschauliches Beispiel liefert der Matratzentest des K-Tipp. Zehn Schaumstoff-Matratzen bekannter Marken, alle mittelhart und 90×200 cm gross, kamen zu einem Möbelprüfinstitut. Geprüft wurden drei objektiv messbare Kriterien:
- Robustheit: Eine 140 kg schwere Walze rollte 60'000 Mal über die Matratze.
- Ergonomie: Prüfstempel simulierten den Druck von Schultern, Rücken und Hüfte.
- Elastizität: Weitere Stempel bildeten den geringeren Druck von Kopf und Fersen ab, gemessen als Punktelastizität.
Das Resultat: Neun von zehn Matratzen erhielten beim Punkt Lebensdauer die Bestnote, blieben also rund zehn Jahre in gutem Zustand. Drei Modelle waren gesamthaft «sehr gut», sieben «gut». Bei der Elastizität gab es vereinzelt nur genügende Noten, weil sich einzelne Matratzen an Kopf, Ferse oder Wirbelsäule zu wenig anpassten. Ursache war ein unnachgiebiger Bezug, der den Kern in seiner Elastizität einschränkte.
Bürostühle müssen im Härtetest zehn Jahre überstehen
Bei Sitzmöbeln geht es um Belastungszyklen. Ein Institut prüfte Bürodrehstühle in Anlehnung an die europäische Norm für Büroarbeitsstühle. Eine Maschine drückte mit umgerechnet rund 152 kg 45'000-mal auf die Sitzfläche, die Rückenlehne musste 20'000-mal einer Belastung von rund 32 kg standhalten, und die Scheuerfestigkeit wurde mit 10'000 Reibungen eines Jeansstoffs geprüft. Bei einem Modell war der Sitzflächenbezug nach diesen 10'000 Scheuerungen komplett verschlissen, was die Teilnote «ungenügend» ergab.
Ein späterer Test ging noch weiter: bis zu 150 Kilo Druck, 260'000 Mal auf verschiedene Sitz- und Lehnenstellen, dazu 60'000 Mal mit 40 Kilo auf die Armlehnen. Das entspricht rund zehn Jahren Homeoffice-Nutzung oder drei bis fünf Jahren im klassischen Büro. Dieser Härtetest wurde am stärksten gewichtet. Zusätzlich prüft man die Standsicherheit, indem Gewichte den Stuhl seitlich, nach hinten oder über die Ecke ziehen, um die Kippgefahr festzustellen.
Bemerkenswert war das Fazit eines Kassensturz-Tests: Ein Drittel der Bürostühle fiel durch, und der teuerste Stuhl war der einzige mit der Note «sehr gut». In anderen Tests kehrte sich das Bild um. Was heisst das für den Kauf? Der Preis sagt für sich allein wenig über die Testnote aus.
Warum ein hoher Preis keine Garantie ist
Diese Erkenntnis zieht sich durch viele Tests. Beim Kassensturz-Matratzentest schlief es sich auf teureren Modellen für 700 bis 800 Franken etwas besser als auf günstigen, doch schon für 250 Franken gab es eine «gute» Matratze. Alle geprüften Matratzen hatten eine lange Lebensdauer, die Unterschiede zeigten sich vor allem bei der Ergonomie. Bei Bürostühlen schnitten teuerste Modelle in mehreren Tests sogar schlechter ab als günstige.
Praktisch bedeutet das: Entscheidend ist, wie ein Stück zu Ihnen und Ihrer Nutzung passt. Bei Matratzen zählt vor allem die ergonomische Anpassung an den eigenen Körper. Weil man einer Matratze beim Kauf nicht ansieht, ob sie bequem ist, erlauben einige Verkäufer das Ausprobieren zu Hause. Der K-Tipp führt eine Liste von Händlern mit Rückgabemöglichkeit.
Formaldehyd und VOC: das Schadstoffthema im Möbelbau
Riecht es nach dem Kauf neuer Möbel, deutet das auf ausgasende flüchtige organische Verbindungen (VOC) hin. Ein solcher Neugeruch ist für ein paar Tage normal, regelmässiges Lüften schafft meist Abhilfe. Kritischer wird es bei Formaldehyd. In Deutschland dürfen seit 1989 nur Spanplatten verbaut werden, die unter Prüfbedingungen höchstens 0,1 ppm Formaldehyd an die Luft abgeben. Experten sprechen schon ab 0,02 bis 0,05 ppm von einer Belastung. Die Werte können sich aufsummieren, wenn viele Spanplatten-Möbel in einem kleinen Zimmer stehen.
Besonders sensibel ist das Kinderzimmer. Bei einem Öko-Test einer kompletten Einrichtung nahm ein Labor nach drei Tagen eine Probe der Prüfkammerluft und mass VOC wie Lösungsmittel aus Klebern und Beschichtungen, teils geruchlos. Die Möbel dünsteten insgesamt relativ wenig aus, Minuspunkte gab es dennoch wegen einzelner problematischer CMR2-Verbindungen in der Anfangsphase. In Kinderzimmern unter zehn Quadratmetern könnten die Richtwerte in den ersten Tagen nach dem Aufbau überschritten werden. Übrigens: Auch Massivholz kann Emissionen abgeben, insbesondere Nadelhölzer verströmen Terpene, natürliche Lösemittel aus ätherischen Ölen.
Gütesiegel helfen, sind aber unterschiedlich streng
Umweltzeichen weisen den Weg zu emissionsarmen Produkten. Bekannt sind der «Blaue Engel», das «Goldene M» und «ÖkoControl». Für Möbel mit «Blauem Engel» oder «Goldenem M» liegt der Formaldehyd-Grenzwert bei 0,05 ppm.
- Goldenes M: Steht für geprüfte Möbelqualität nach den Kriterien der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel, basiert auf RAL-GZ 430 und wird von unabhängigen Sachverständigen im Labor auf Sicherheit, Langlebigkeit, Stabilität sowie Gesundheits- und Umweltverträglichkeit untersucht.
- Blauer Engel: Die Anforderungen für Möbel sind identisch mit dem RAL-Gütezeichen. Der Unterschied liegt in der Überwachung: Das RAL-Zeichen wird laufend kontrolliert, der Blaue Engel einmalig vergeben.
- ÖkoControl: Ein Schadstoff-Gütesiegel für schadstoffarme Möbel, Matratzen, Bettwaren und Heimtextilien.
- QUL: Ein Siegel speziell für umweltfreundliche Latexmatratzen.
Ein Label allein reicht als Beweis nicht aus. Die Stiftung Praktischer Umweltschutz (PUSCH) untersuchte 145 in der Schweiz gebräuchliche Gütesiegel, nur 16 erhielten die maximale Punktzahl. 29 Labels verzichten auf ein unabhängiges Zertifizierungssystem und halten damit das Vier-Augen-Prinzip nicht ein. Wichtig zu wissen: Das DIN-Zeichen darf der Hersteller selbst anbringen und die Prüfung eigenverantwortlich durchführen, während das RAL-Gütezeichen von unabhängiger Stelle kommt.
Wer testet, und wie Sie ohne Testbericht auskommen
Bei der Einordnung von Ergebnissen hilft die Frage, wer geprüft hat. Grob lassen sich drei Gruppen unterscheiden: unabhängige Produkttestcenter wie die Stiftung Warentest, Konsumentenmagazine wie Kassensturz (SRF) oder K-Tipp (Saldo) sowie kommerzielle Vergleichsportale. Während die erste und zweite Gruppe neutral testen, werden manche Vergleichsseiten von Herstellern finanziert. Die Stiftung Warentest wurde 1964 als unabhängige Stiftung gegründet und führt jährlich über 200 vergleichende Produkttests durch. Für Polstermöbel und Sofas gibt es bislang keinen systematischen Test dieser Häuser, entsprechend fehlt ein klassischer Testsieger.
Liegt für Ihr Wunschstück kein Bericht vor, orientieren Sie sich an denselben Kriterien, die auch die Prüfer anlegen:
- Langlebigkeit: Eine Matratze hält im Schnitt rund zehn Jahre. Die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer ersetzt sie laut eigener Erinnerung alle 6 bis 10 Jahre.
- Passform statt Preis: Bei Matratzen zählt die ergonomische Anpassung, Zonen sind gesetzlich nicht geregelt und liegen im Ermessen des Herstellers.
- Emissionen: Auf Umweltzeichen achten und neue Möbel in den ersten Tagen gut lüften.
- Pflege: Matratzen alle zwei Monate absaugen oder abbürsten und wenden, nicht ausklopfen und nicht der Sonne aussetzen, da UV-Strahlung Schaumstoff altern lässt.
Ein Sicherheitshinweis am Rand: Mit Holzpflege-Öl getränkte Lappen können sich selbst entzünden. Der K-Tipp fand bei zehn Holzpflege-Ölen sieben, die sich so stark erwärmten, dass sie unter Raumtemperatur zünden können. Benutzte Lappen deshalb in Wasser tränken, in einem nicht brennbaren, verschliessbaren Behälter aufbewahren und im Freien trocknen.
Wer die Kriterien eines Möbeltests kennt, stellt im Geschäft die richtigen Fragen. In der Ausstellung in Pfäffikon können Sie Materialien und Sitzgefühl in Ruhe vergleichen und sich zu Themen wie Härtegrad, Bezug und Emissionen beraten lassen.




